GLAUBE AN EUTHYMIA

In einem seiner Bücher (“De Vita Beata VIII 6”) schreibt Seneca, dass das höchste Gut, also das, was es anzustreben gilt, die Harmonie der Seele mit sich selbst ist.

In seinem berühmten „Moralische Briefe“ führt er dieser Gedanke aus.

“Was du sehnlichst wünschst, ist aber etwas Großes und Vollkommenes, etwas Gottähnliches: sich nicht erschüttern zu lassen. Diesen festen Zustand der Seele nennen die Griechen Euthymia, wohlgemut zu sein. Darüber gibt es ein ausgezeichnetes Buch Demokrits. Ich nenne diesen Zustand Gelassenheit.”

“Gelassenheit können nur jene erreichen, die ein unerschütterliches und klares Urteilsvermögen haben - der Rest hadert ständig mit seinen Entscheidungen, schwankt hin und her zwischen Ablehnung und Akzeptanz. Woher kommt dieses Für und Wider? Es rührt daher, dass nichts klar ist und sie sich auf den unsichersten Ratgeber verlassen: die öffentliche Meinung.”

- Seneca, Moralische Briefe, 95.

Seneca benutzt in seiner Abhandlung über die Gelassenheit das griechische Wort euthymia, dass er folgendermaßen definiert:

“An dich selbst zu glauben und zu vertrauen, dass du auf dem richtigen Weg bist; dich nicht abbringen zu lassen, indem du den unzähligen Fuß-pfaden derer folgst, die in alle möglichen Richtungen aufbrechen.”

- Seneca, De Tranquillitate Animi.

Es ist diese Gemütsverfassung, die laut Seneca Gelassenheit hervorruft.

Demokrit postulierte dies als das höchste Ziel (eu = gut, thymia = Gemüt). Das ist eine heitere, gleichmütige Stimmung. Die Schritte, die man innerlich dazu gehen müsse, definiert er so:

  1. Die Seele ermöglicht Erkenntnis

  2. Erkenntnis führt zur Überwindung von Angst

  3. Überwindung der Angst führt zum guten Gemüt – der Wohlgemutheit

Als Gemüt bezeichnet man im Deutschen "Empfindungsvermögen oder Sinn für Gefühlswerte". Es kommt das Wort Mut darin vor. Mut bedeutet heute meistens sowas wie Tapferkeit. Aber Mut ist mehr als Tapferkeit. So hat Mut auch die Bedeutung von "Kraft des Denkens, Seele, Herz, uvm.". Man sagt ja auch, dass jemand "beherzt" an eine Sache herangeht.

Wir können also nur an uns glauben, wenn wir den Weg klar vor Augen haben. Das soll nicht bedeuten, dass wir uns bei allem immer hundertprozentig sicher sind oder dies sein sollten. Wir brauchen lediglich die Zuversicht, dass wir uns grundsätzlich in die richtige Richtung bewegen - dass wir uns nicht ständig mit anderen Leuten vergleichen müssen oder alle paar Sekunden unsere Meinung ändern, je nachdem, ob wir etwas Neues erfahren.

Stattdessen finden wir Gelassenheit und Frieden, wenn wir unseren Weg erkennen und ihm treu bleiben, auch wenn hier und da kleine Korrekturen nötig sind - aber wir sollten die verführerischen Sirenen ignorieren, die uns zu den Klippen locken.

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